Geboren in München, 1966. Lebt und arbeitet in Berlin.
Hito Steyerl ist mit ihren Film- und Videoarbeiten vor allem seit den 1990-er Jahren ein wichtiger Bezugspunkt für eine jüngere Künstlergeneration.
The Empty Centre (1998) steht exemplarisch für ein kritisches Werk, das sich den Realitäten ohne die Illusion der moralischen Übersicht und Eindeutigkeit stellt. Der etwas über einstündige Film entwickelt am Beispiel der Mitte Berlins und der Neubebauung des ehemaligen Todesstreifens um den Potsdamer Platz ein Geflecht von Geschichte, Architektur und politischen Klassenkämpfen. Insbesondere durch die Überlagerung von Erzählungen historischer Details und aktuellen Bildstrecken werden Zusammenhänge in großer Dichte spürbar. Der Fall der Mauer und die Präsenz neuer, weniger sichtbarer oder ausgelagerter Grenzen werden so im Verschieben der Bilder und Worte formal aufgehoben. Kristallisationspunkte wie das „Haus Vaterland“, ein großer Vergnügungspalast der 1920er-Jahre, oder Arbeiterproteste an den Baustellen des Reichstags in verschiedenen historischen Zeiten zeigen die Ähnlichkeiten von Mechanismen der Ausgrenzung von Fremden in Krisenzeiten. Die einsamen Squatter auf dem ehemaligen Todesstreifen, die Steyerl selbst sprechen lässt, sind inzwischen ebenso verschwunden wie die Brachen und Freiräume.