Geboren in Karlsruhe, 1980 Lebt und arbeitet in Berlin

In ihrer ortsbezogenen Arbeit Physical (2017) entfernt Schirin Kretschmann gläserne Elemente der charakteristischen Oberlichtdecke und nutzt sie als skulpturales Material für die korrespondierende großflächige monochrome Bodenarbeit. Durch die Öffnung der Decke ist die Konstruktion des Dachge- stühls erkennbar, auch Tageslicht kann ungehindert in den Raum dringen. Die von Kretschmann am Boden formierten Glasscheiben sind von einer feinen, blauen Pigmentschicht mit scheinbar physischem „Gewicht“ überdeckt. Aus wechselnder Perspektive zeigen sich die Flächen und Kanten der Platten als subtile Störungen in der gleichmäßig gesiebten Pigmentschicht und offen- baren die Verletzlichkeit des für die Dauer der Ausstellung entwickelten Werks. Die Erscheinung der blauen Oberfläche verändert sich sowohl durch den natürlichenKreislaufdesTageslichtswiedurchdieBewegungdesBetrachters im Raum. Aus der Nähe betrachtet differenziert sich die Oberflächenstruktur des homogenen Pigmentfeldes, das sich mit verringerndem Abstand schein- bar optisch dehnt. Der Eindruck von Schwere und Leichtigkeit, Offenheit und Geschlossenheit wird zum Vexierspiel, das den Betrachter zum Koproduzen- ten der Arbeit macht.